21 September 2005

 

Noch ein Menetekel...

Die Magier kamen, doch keiner verstand
zu deuten die Flammenschrift an der Wand.

Belsazar ward aber in selbiger Nacht
von seinen Knechten umgebracht.

IWF korrigiert Wachstumsprognose für Deutschland nach unten


Washington (dpa) - Deutschland ist in der Konjunkturprognose 2006 des Internationalen Währungsfonds (IWF) so stark abgesackt wie kein anderes Land der Welt.

Der IWF rechnet nur noch mit 1,2 Prozent Wachstum und korrigierte seine Prognose vom Frühjahr damit drastisch um 0,7 Prozentpunkte nach unten. Damit wäre Deutschland Schlusslicht unter den großen Industrieländern, wie aus der am Mittwoch veröffentlichten Weltwirtschaftsanalyse hervorgeht. Für dieses Jahr erwartet der IWF unverändert 0,8 Prozent Wachstum.

IWF-Chefökonom Raghuram Rajan lobte den begonnen Reformweg in Deutschland, vor allem im Arbeitsmarkt. «Diese Reformen müssen zu Ende gebracht werden», sagte er. Vor allem müssten die Arbeitgeber entlastet werden, um Anreize für Neueinstellungen zu schaffen. Der Finanzsektor müsse weiter liberalisiert werden. «Es liegt auf der Hand, was getan werden muss», sagte Rajan. «Ich hoffe, dass die neue Regierung, wie immer sie aussieht, dazu in der Lage ist.»

«Die Europäer scheinen noch nicht überzeugt zu sein, dass die bittere Medizin fortgesetzter Strukturreformen den Stillstand im größten Teil des Kontinents aufheben kann», sagte Rajan. «Je stärker die Menschen an der attraktiven europäischen Lebensweise festhalten wollen, desto deutlicher müssen sie ihre Arbeitseinstellung ändern. Die Politik hat versagt, wenn die Menschen das nicht einsehen.»

Trotz nach wie vor robusten Wachstums der Weltwirtschaft warnte Rajan vor Risiken. «Höhere Ölpreise sind eine gegenwärtige und deutliche Gefahr», sagte er. Das Besorgnis erregende Szenario: weil das Angebot knapp sei, könnten die Preise weiter steigen, was Benzin verteuere und Verbraucher belaste, die ihre Ausgaben einschränkten.

Gleichzeitig könne der höhere Preis die Verbraucherpreise anheizen, was Notenbanken zur Eindämmung der Inflation zu scharfen Zinserhöhungen treiben könne. Rajan verlangte mehr Transparenz auf den Ölmärkten, um Preisspekulationen den Boden zu entziehen, und mehr Energiesparmaßnahmen.

Der IWF schraubte seine Prognosen für praktisch alle Länder zurück, rechnet aber für die Weltwirtschaft weiter mit je 4,3 Prozent Wachstum 2005 und 2006. Neben dem hohen Ölpreis gelten vor allem die globalen Ungleichgewichte als Risikofaktor.

Defizite und Überschüsse in den Leistungsbilanzen seien nicht geschmolzen, sondern weiter gewachsen. In diesem Jahr steige das US-Leistungsbilanzdefizit auf 6,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), bei gleichzeitig hohen Überschüssen vor allem in Japan, China und den Öl exportierenden Ländern.

«Ein scharfer Einbruch in der Nachfrage nach US-Anleihen könnte gekoppelt mit protektionistischen Tendenzen eine globale Rezession auslösen», warnt der IWF. «Es besteht keine unmittelbare Gefahr eines Zusammenbruchs durch diese Ungleichgewichte, aber das Risiko könnte zum schlimmsten Zeitpunkt auftauchen», sagte Rajan.

Auch in Europa sieht der IWF vor allem Risiken. «Die erneute Schwäche in der Euro-Zone ist besonders Besorgnis erregend», heißt es. Er erwartet 1,2 Prozent Wachstum in diesem Jahr (-0,4 gegenüber der Frühjahrsprognose) und 1,8 (-0,5) Prozent 2006.

Der Hurrikan «Katrina» dürfte die US-Wirtschaft in diesem Jhr 0,1 Prozentpunkte Wachstum kosten, schätzt der IWF. Er erwartet in diesem Jahr für die USA dennoch solides Wachstum von 3,5 Prozent, und 3,3 Prozent 2006.

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